Yvonne Koch...

First contact in real

Wochenlang hab ich mit Rahim gechattet, manchmal geskypt. Dabei hab ich viel von ihm erfahren, über sein Asylgesuch in Deutschland, über seine Angst um seine Familie, die immer noch in Bangladesch ist und über die Gründe, warum er eigentlich in Bangladesch bedroht wird. Vieles was er erzählt hat, konnte ich kaum fassen, es war absolutes Neuland für mich. Auch deshalb wollte ich ihn endlich richtig kennenlernen, wollte ausloten, wieviel kulturelle Theatralik in seine Geschichte einfließt – Ja, ich gebe zu, ich bilde mir ziemlich viel auf meine Menschenkenntnis ein. Vor allem aber war ich neugierig, wie Rahim jetzt lebt, in seinem provisorischen Exil, als Asylbettler, wie er selbst es nennt.

Stundenlange Fahrt, ich bin aufgeregt und letztendlich viel zu früh da. Damit hab ich wohl Rahims Großreinemachen durcheinandergebracht, jedenfalls dauert es ein bisschen, bis er mir entgegen kommt. Erster Gedanke: Ist der klein! Zweiter Gedanke: Wow, was für warme Augen!

Keine Ahnung, ob es an diesen Augen liegt, jedenfalls hatte ich sofort das Gefühl, ihn schon ewig zu kennen und die kleine Unsicherheit, wie wir uns denn jetzt begrüßen sollen (Bangla-Style: höfliches Kopfnicken oder european-manner: handshake), ist flugs vorbei.

Nein, ich wolle nicht auf sein Zimmer kommen, wenigstens nicht gleich – Mist, damit hab ich ihn wohl gleich mal ziemlich vor den Kopf gestoßen…Schnell erkläre ich, dass ich stundenlang gesessen bin und mich einfach dringend erstmal bewegen müsse. Er lacht, zwinkert und irgendwie wissen wir beide, dass damit ab jetzt peinliche Situationen kein Thema mehr sind…

****

Fortsetzung folgt

Yvonne Koch

2 thoughts on “First contact in real

  • carmen

    ich kann`s kaum erwarten, wie die geschichte weitergeht – also beeil dich mit der fortsetzung, yvi

    Antworten

Leave a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.