Yvonne Koch...

The mystery of Hilsha fish

Immer wieder werde ich in Bangladesch gefragt: „Do you like Hilsha fish?“ Und irgendwie habe ich dabei immer den Eindruck, dass diese Frage so eine Art Test ist. Als ob meine Antwort darüber entscheiden würde, ob ich nur als stinknormaler Gast in diesem Land angesehen werde oder als Liebhaber und Kenner der bengalischen Seele.

Deshalb war ich auch etwas angespannt, als ich diesen angeblich so besonderen Fisch in einem Restaurant das erste Mal probieren durfte. Ich war eingeladen. Von meinem eigenen Subunternehmer. Genauer gesagt von dem Journalisten, der mir Razib vermittelt und auch einen Teil der Fotos zur Kinderarbeit geliefert hat (siehe Blogartikel vom 29.12.20015 https://yvonnekoch.wordpress.com/2015/12/29/razibs-wish/).

Hilsha Fish Curry

Der Fisch war – wie immer bei einer bengalischen Mahlzeit – nur eines von vielen Gerichten. Normalerweise habe ich mir angewöhnt, den Reis in die Mitte des Tellers zu häufen, eine kleine Portion der Leckereien aus den verschiedenen Töpfchen rundherum zu drapieren und dann mit der Hand (der rechten natürlich, alles andere wäre ein faux pas!) den Reis und das jeweilige Gericht seperat zu genießen.

Aber diesmal hab ich mich das nicht getraut…denn meine beiden Begleiter haben jede meiner Bewegungen so intensiv beobachtet, dass mir klar war: Diesen Fisch zum ersten Mal zu essen scheint sowas wie eine heilige Handlung zu sein. Und natürlich hatte deshalb erstmal nichts anderes Zugangsberechtigung auf dem Teller. Den ersten Bissen hab ich dann auch mit geschlossenen Augen gegessen – wenn schon zelebrieren, dann richtig, dachte ich. Fast andächtig tastete sich meine Zunge durch den Reis zum Fisch…welcher allerdings, kaum dass ihn meine Zungenspitze berührte zart zerfiel und eine süß-herbe Geschmacksexplosion auslöste…

Okay, ich hör ja schon auf und mach’s kurz: Dieser Fisch ist wirklich seeeeeehr lecker und wird offenbar meistens in einer Senfsauce serviert, die hervorragend zum zarten Fleisch passt. Von daher hab ich auch überhaupt nicht gelogen, als ich beim Essen die Augen wieder geöffnet und meine Begleiter mit einem tiefempfundenen „delicious“ beglückt habe.

Hilsha Reis

Und ab da lief das Essen dann auch sehr entspannt und flankiert von einer angeregten Diskussion über Kinderarbeit, Filmgeschäft und Pressefreiheit ab.

Abends, in meinem kleinen guesthouse-Zimmer, war ich dann doch neugierig, warum gerade dieser Fisch offenbar so wichtig für die Bangladeshi ist. Also hab ich recherchiert: Hilsha ist eine Heringsart und der beliebteste Fisch in Südasien. In Bangladesch selbst macht er etwa 12% der Fischproduktion aus und tatsächlich ist er sowas wie ein ‚National-Fisch‘ – er lebt zwar auch in wenigen Flüssen in Indien, aber Kenner behaupten, dort sei er bei weitem nicht so ‚tasty‘ wie in Bangladesch, wo er sich offenbar vor allem wohl fühlt. Allerdings macht sich der Hilsha-Fisch auch in Bangladesch nach und nach rarer. Wahrscheinlich findet er es gar nicht so witzig, dass so viele Menschen auf ihn stehen…Jedenfalls ist er dadurch in den letzten Jahren immer teurer geworden – was natürlich seinen Ruf, ein besonderer Fisch zu sein, eher noch verstärkt.

Hilsha-Markt

Witzigerweise ist mir der Hilsha-Fisch übrigens nach dieser Initiation ständig über die Lippen gekommen. Entweder war in Dhaka gerade eine Hilsha-Schwemme, eine besondere Rabatt-Aktion (kaufe drei, zahl einen) oder irgendjemand hat das Bild einer mit geschlossen-Augen-Hilsha-schlemmenden Europäerin ins Internet gestellt…Jedenfalls dufte ich ihn innerhalb einer Woche gleich fünfmal genießen. Und ich kann jetzt sagen, dass die Senf-Saucen-Variante der Schwiegermutter meines Kinderarbeit-Rechercheurs bisher die aller-allerbeste war.

Hilsha-Seized

Übrigens hab ich selbst den kompletten Fisch, so wie ihn das Foto hier zeigt, nie gesehen. Auf keinem der Märkte, die ich besucht habe, lag er aus. Aber möglicherweise gehört das ja auch zum Mysterium des Hilsha-Fisches…

Yvonne Koch

2 thoughts on “The mystery of Hilsha fish

  • Thomas Kurella

    Gibt es Ähnliches auch als Grillrezept?

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  • Yvonne Koch

    Bestimmt, ich werd kommenden Monat dann mal intensivst recherchieren 😉

    Antworten

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